Babys sind Traglinge!
Warum und was das bedeutet möchte ich ihnen gerne näher erklären.
Dafür müssen wir eine kleine Exkursion in die Entwicklungsgeschichte unserer Menschheit und in die Biologie machen.
Wenn Tiere Nachwuchs bekommen gibt es da zwei Kategorien:

Die ersten sind die sogenannten Nestflüchter. Das sind alle Tiere, die sofort nach der Geburt das "Nest" verlassen müssen, um mit der Herde zu ziehen. Diese Tiere kommen komplett entwickelt auf die Welt. So kann z.B. eine eben geborene Giraffe nach wenigen Stunden mit der Herde mitlaufen. Dies ist auch unbedingt nötig, um ihr überleben zu sichern.
Dann gibt es noch Tiere, die kommen weniger entwickelt zur Welt. Diese Tiere müssen "nachreifen". Damit sie das in aller Ruhe tun können, werden sie von ihren Eltern in Nestern und Höhlen bewacht. Das sind die sogenannten Nesthocker. Man bekommt sie meist erst ausserhalb ihrer sicheren Zuflucht zu sehen, wenn sie sich in dem Entwicklungsstadium befinden, in dem die Nestflüchter bereits geboren wurden.
Bei beiden Prinzipen geht es um den Schutz und das Überleben der Jungen zu sichern.
Und wo ordnen wir Menschen uns nun ein?
Wir fallen aus diesen Systemen raus. Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler und häufig nicht sesshaft. Sie konnten nicht an einem Ort bleiben und ihre Kinder an eine festen Stelle beaufsichtigen. Denn sie mußten oft weite Strecken zurücklegen um ausreichend Nahrung zu finden.
Somit wurden Babys und Kinder den größten Zeitraum unserer Menschheit getragen. Unsere Babys sind Traglinge.
So wie eine Giraffe instinktiv weiß, dass sie auf die Beine muß. Sowie ein neugeborener Vogel sich im Nest sicher und geborgen fühlt.
So erwarten unsere Kinder, wenn sie zur Welt kommen, getragen zu werden.
Ihr Instinkt sagt ihnen, dass es Gefahr bedeutet, einfach abgelegt zurückgelassen zu werden. Das Schreien in solchen Situationen ist ein deutlichens Zeichen für das Vorhandensein dieses Instinktes. Ihn einfach zu ignorieren, wird das Kind zusätzlich verunsichern.
Wenn sie diesem Bedürfnis jedoch nachkommen, wird ihr Kind sich sicher und geborgen fühlen.

Sie werden im Freundeskreis gewarnt und getadelt, das Kind bloß nicht zu
viel "herumzuschleppen" und zu verwöhnen? Der Aspekt des Vewöhnens ist in diesem Alter keine Gefahr. Babys können im ersten Jahr noch keine Überlegungen zu Ursache und Wirkung herstellen. Sie tun noch nichts berechnend oder mit böser Absicht.
Ausserdem kann ich ihnen aus eigender Erfahrung weitergeben, dass gerade der Forschergeist getragener Kinder unermüdlich ist. Kinder die häufig getragen werden, können sich auch häufig schon früher länger alleine beschäftigen. Ausserdem ist das Kind so im Familienalltag immer dabei ohne im direkt im Mittelpunkt zu stehen
Ist ihnen schonmal aufgefallen, welche Haltung ein Säugling einnimmt, den man hochebt?
Er zieht die Beinchen hoch wie ein kleiner Frosch und hat genau die Haltung, in der man ihn prima auf die Hüfte setzen kann. Zufall? Nein, dies ist ein Erbe unserer nächsten Verwandten, den Menschenaffen, deren Junge auch zu den Traglingen gehören.
Nun leben wir in der modernen Welt und vor ca. 150 Jahren wurden die ersten Kinderwagen erfunden, diese sind sicherlich häufig eine Entlastung.
Unsere Kleinen sind aber immernoch Traglinge, die allerdings oft ihr natürliches Bedürfnis getragen zu werden, nicht mehr befriedigen können. Neugeborene werden mit einem Meter Abstand zum Mutter, in ein fremde Welt, mit unzähligen verschiedenen Eindrücken geschoben. Ein Ankuscheln wenn man sich füchtet oder erschrickt ist gar nicht möglich. Auch der Kontakt über eine so weite Distanz ist schwierig. Neugeborene haben noch ein eingeschränktes Sehvermögen.
Der Abstand beim Stillen, bzw. der Abstand, wenn man das Kind im Arm wiegt ist nachweislich der beste Abstand zur guten Kommunikation mit dem Säugling. Diesen Abstand hat das Kind auch beim Tragen.
Sie können ihrem Baby helfen, seinen Bedürfnissen nachzukommen.
